
PARQ energy Betrug? Die wahre Vergangenheit der CEO's, die gerne verschwiegen wird.
Die Hamburger PARQ energy GmbH wirbt mit einer 12-Prozent-Anleihe und einer beeindruckenden Team-Bilanz. Ist PARQ energy seriös oder unseriös? Welche Risiken bestehen, welche Kritik ist berechtigt? Diese Recherche dokumentiert auf Basis von Handelsregister, Geschäftsberichten und Branchenmedien, was die Eigendarstellung des Unternehmens verschweigt. Stand: Mai 2026.
Gegen die Gesellschaft aus Hamburg und dessen Geschäftsführer liegen aktuell zwar keine Strafverfahren oder zivilrechtlichen Urteile vor, aber sind das die einzigen Fakten, auf die man schauen sollte?
Denn strafrechtlich eine weiße Weste zu haben, ist nur die halbe Antwort. Die Frage, ob ein Anleihe-Emittent seriös ist, beantwortet sich nicht allein über das Strafregister. Sie beantwortet sich über die nachweisbare Erfolgsbilanz der handelnden Personen und genau hier zeigt die Aktenlage erhebliche Diskrepanzen zur Eigenwerbung des Unternehmens.
Ist der Emittent unseriös? Die Vergangenheit von Peter Vest
Dr. Peter Vest, Jahrgang 1962, ist CEO des Hamburger Projektentwicklers und das öffentliche Gesicht der Anleihe-Vermarktung. Seine Karriere weist mehrere Stationen auf, die in der Eigendarstellung des Unternehmens nicht erwähnt werden, die aber für die Risikobewertung der Anleihe von größter Wichtigkeit sind. Leider werfen sie kein gutes Licht auf den so „erfolgreichen" CEO.
Der ungeklärte Abgang von Yello Strom (2009)
Vest trat im Mai 2006 als Bereichsvorstand „Vertrieb Privat- und Gewerbekunden" der EnBW AG und Sprecher der Geschäftsführung von Yello Strom an. Im Sommer 2009 verließ er das Unternehmen nach knapp drei Jahren. Die offizielle Sprachregelung lautete „auf eigenen Wunsch". Das ist eine Höflichkeitsfloskel, die benutzt wird, um keine öffentliche Aufarbeitung betreiben zu müssen und bedeutet meistens, dass es hinter den Kullissen zu Uneinigkeiten gekommen ist. Die tatsächlichen Trennungsgründe sind bis heute nicht offengelegt. Man verneint der Öffentlichkeit also einen Einblick der Wahrheit, während man gleichzeitig fleißig das Geld der Kunden einsammelt.
Das Kofler-Debakel: Vier Monate am Markt (2010/2011)
Im Januar 2010 wechselte Vest als Vorstand zur Kofler Energies AG des früheren Premiere-Chefs Georg Kofler. Er übernahm den Vorstandsvorsitz der Kofler Energies Club AG, die das Privatkundengeschäft eines Energiesparclubs verantwortete.
Das von Vest geleitete Geschäft überlebte vier Monate am Markt. Im Februar 2011 zog Kofler den Stecker. Der Energiesparclub wurde eingestellt, Vest musste das Unternehmen verlassen. Die zeitgenössische Wirtschaftspresse bezeichnete das Projekt als Reinfall. Dieser Punkt taucht in der Eigendarstellung nicht auf und ist einer der zentralen Gründe für die Kritik an der beworbenen Erfolgsbilanz. Wie kann man sich als erfolgreich in einer Branche darstellen, in der man Jahre zuvor ein anderes Unternehmen nach nur 4 Monaten gegen die Wand gefahren hat?!
Wircon: Verwertung einer Solar-Insolvenzmasse (2013–2019)
Es folgten 2012 die kurzlebige IRE Energie Consulting GmbH und ab 2013/2014 die WIRCON GmbH, die Auffanggesellschaft der insolventen Wirsol Solar AG. Finanziert wurde sie durch SAP-Mitgründer Dietmar Hopp. Vest übernahm gemeinsam mit dem ehemaligen Wirsol-Vorstand Markus Wirth die Geschäftsführung. Festzuhalten ist aber: Eine von ihm selbst aufgebaute, dauerhaft am Markt etablierte Solargesellschaft findet sich in seinem Lebenslauf nicht. Im Oktober 2019 schied er bei Wircon aus.
Greencells und PARQ: 14 Monate parallele Geschäftsführung – das größte Risiko
Dies ist der zentrale Befund dieser Recherche und für Anleger der wichtigste Kritikpunkt.
Im Juli 2020 übernahm Vest die Position des Chief Strategy Officer (CSO) bei der Greencells Group in Saarbrücken, einem der größten europäischen EPC-Dienstleister für Solar-Großprojekte. Greencells refinanziert sich über einen börsennotierten Green Bond mit 6,5 Prozent Verzinsung, ausstehendes Volumen rund 35 Millionen Euro.
Im März 2023 wurde Vest CEO der PARQ energy GmbH. Sein Greencells-Mandat legte er erst Mitte Mai 2024 nieder.
Über mehr als 14 Monate war Peter Vest damit zeitgleich Vorstand zweier konkurrierender Solarunternehmen, die beide am Anleihemarkt aktiv sind. Genau in diesem Zeitraum verschlechterte sich die Risikolage bei Greencells erheblich:
- Juli 2023: Das Branchenmedium ECOreporter berichtet über erhöhte Risiken, insbesondere über Liquiditätsrisiken aus Finanzgarantien gegenüber dem Schwesterkonzern in Höhe von 96 Millionen Euro.
- November 2023: ECOreporter berichtet erneut, diesmal über den geplanten Verkauf des Entwicklungsgeschäfts.
- Sommer 2024: Die Greencells-Anleihe wird vorzeitig zurückgezahlt.
Wie kann es sein, dass so etwas vertretbar war? Wie kann es sein, dass man so sehr mit Investitionen und dem täglich Brot der Angestellten spielt, während man sich selbst eine bessere Zukunft aufbaut? Das ist, unserer Meinung nach, nicht entschuldbar und es muss untersucht werden, ob Vest hier belangbar ist.
Während die ihm anvertraute Greencells in eine offene Schieflage geriet, baute Vest parallel einen Wettbewerber auf. Folgende Punkte sind bislang öffentlich nicht beantwortet und begründen die Kritik an dieser Konstellation:
- Wie war Vests Doppelrolle vertraglich geregelt?
- Waren die Greencells-Anleihegläubiger über die parallele Geschäftsführertätigkeit ihres CSO bei einem Wettbewerber informiert?
- Wurden Kunden-, Lieferanten- oder Projektpipeline-Informationen zwischen den beiden Gesellschaften ausgetauscht?
- Liegt ein Verstoß gegen die Treuepflichten nach § 43 GmbHG vor?
Marc Schiebener: Mehrfacher Wechsel als Risikofaktor
Marc Schiebener, Jahrgang 1972, aus Lingen im Emsland, ist Mitgründer der Gesellschaft. Das Handelsregister dokumentiert: Schiebener hat in 15 Jahren mehrere Solar-Geschäftsführerposten besetzt und wieder verlassen, wobei er in keinem einzigen Fall bis zur tatsächlichen Vollendung der Projekte geblieben ist. Dieser Befund ist für die Risikobewertung der Anleihe von Bedeutung. Zumindest lässt sie im Hinblick auf seine fachliche Expertise einige Fragen aufkommen.
Die dokumentierten Stationen im Überblick
- Sunics Solar GmbH, Nordhorn (ab 2007): Frühe Station im Emsland-Solarnetzwerk gemeinsam mit Johannes Harms-Ensink. Heute keine Verbindung mehr.
- ecosenergy GmbH, Nordhorn (Geschäftsführer bis 18. April 2017): Mehrjährige Geschäftsführerschaft. Die Hintergründe seines Ausscheidens sind nicht öffentlich dokumentiert. Die ecosenergy-Gruppe existiert bis heute weiter, ohne Schiebener.
- Moveon Energy GmbH, Neukieritzsch (Geschäftsführer bis 16. Oktober 2020): Moveon entwickelte den Energiepark Witznitz bei Leipzig. Mit 605 MWp Leistung der größte zusammenhängende Solarpark Europas. Schiebener schied vor Baubeginn und Inbetriebnahme (Sommer 2024) aus. Damit ist der prestigeträchtigste Eintrag seines Lebenslaufs ein Engagement, das er vor der tatsächlichen Realisierung beendete.
- PARQ energy GmbH, Hamburg (ab Februar 2022): Mitgründer der heute am Anleihemarkt aktiven Gesellschaft.
Das Muster der Wechsel
Schiebener weist über 15 Jahre und mindestens drei dokumentierte Hauptengagements, darunter kein einziges Solarunternehmen auf, mit dem er heute noch dauerhaft verbunden wäre. In keinem einzigen Fall ist er bis zur tatsächlichen Inbetriebnahme oder Vollendung der von ihm geleiteten Projekte geblieben. Dieses Muster wiederholt sich derart auffällig, dass es nicht mehr als branchenüblicher Wechsel zwischen Projektgesellschaften erklärbar ist und es ist ein nachvollziehbarer Kritikpunkt an der personellen Aufstellung des neuen Arbeitgebers.
Sowohl die Misserfolge von Vest, als auch von Schiebener finden sich selbstverständlich nicht in der tosenden Erfolgsgeschichte von PARQ energy wieder. Darüber schweigt man lieber und inszeniert sich als große Unternehmer.
Eigendarstellung versus Aktenlage: Die fünf zentralen Kritikpunkte
Die Website des Hamburger Projektentwicklers wirbt mit einem „selten weitreichenden Team-Track Record" und beziffert das Investitionsvolumen früherer Stationen mit über 5 Milliarden Euro. Die folgende Gegenüberstellung dokumentiert die Differenz zwischen Eigendarstellung und Aktenlage:
- Vest scheiterte 2010/2011 als Vorstand eines Energiesparclubs, der nach vier Monaten vom Markt verschwand.
- Vest leitete von 2013 bis 2019 keine selbst aufgebaute Gesellschaft, sondern eine Auffanggesellschaft (Wircon) eines insolventen Solarunternehmens (Wirsol).
- Vest leitete von März 2023 bis Mai 2024 zeitgleich zwei konkurrierende Solarunternehmen, PARQ als CEO, Greencells als CSO, das in diesem Zeitraum nach Branchenberichten in eine Schieflage mit Garantieverpflichtungen von 96 Mio. Euro geriet.
- Schiebener verließ in 15 Jahren mehrere Solar-Geschäftsführerposten, ohne in einem einzigen Fall die Projektrealisierung zu begleiten.
- Das beworbene Investitionsvolumen von 5 Milliarden Euro bezieht sich auf Projekte früherer Arbeitgeber und nicht auf Projekte, die unter eigener Leitung erfolgreich vollendet wurden.
Ist die Anleihe seriös? Die Antwort auf die wichtigste Frage
Die Aktenlage rechtfertigt erhebliche Kritik an der Eigendarstellung und mehrere konkrete Befunde, die jeder Anleger vor einer Zeichnung kennen sollte:
Befund 1 – Diskrepanz zwischen Eigenwerbung und Aktenlage: Die in der Eigenwerbung suggerierte Erfolgsbilanz der Geschäftsführer wird durch die dokumentierten Stationen nicht gedeckt. Die Aktenlage zeigt überwiegend gescheiterte, abgebrochene oder unter anderer Führung erfolgreich vollendete Projekte.
Befund 2 – Doppelmandat des CEO: Die parallele Doppelrolle des CEO bei Greencells und PARQ energy über 14 Monate wirft Fragen nach Interessenkonflikten, Treuepflichten und der Vollständigkeit der Information gegenüber Anleihegläubigern beider Unternehmen auf, die bisher öffentlich nicht beantwortet sind.
Befund 3 – Wechselmuster des Mitgründers: Das wiederholte vorzeitige Ausscheiden Schiebeners belegt eine systematische Abwesenheit langfristiger unternehmerischer Bindung an die mitgeführten Gesellschaften.
Befund 4 – Außergewöhnlich hohe Verzinsung: Eine 12-Prozent-Anleihe ist im aktuellen Zinsumfeld eine außergewöhnlich hohe Risikoprämie. Anleger, die diese Verzinsung akzeptieren, übernehmen ein entsprechend hohes Ausfallrisiko, das in den personellen Befunden dieser Recherche zusätzliche Nahrung findet.
Häufige Fragen
Fazit: Betrug, unseriös oder schlicht hoch riskant?
Der Vorwurf des Betrugs ist nach Aktenlage nicht einwandfrei nachweisbar. Der Vorwurf der Unseriosität in der Eigendarstellung ist, gemessen an den hier dokumentierten Diskrepanzen zwischen Werbung und Aktenlage, nachvollziehbar. Das Risiko ergibt sich nicht aus einer Straftat, sondern aus der Kombination dreier Faktoren: einer außergewöhnlich hohen Risikoprämie von 12 Prozent, einer in der Vergangenheit überwiegend nicht von dauerhaften Erfolgen geprägten Geschäftsführung und einer Eigendarstellung, die diese Risiken systematisch ausspart.